Name (wiss.) | Papaver somniferum L. |
Name(n) (trivial) | Schlaf-Mohn |
Familie | Papaveraceae (Mohngewächse) |
Ordnung | Ranunculales (Hahnenfußartige) |
Kurzbeschreibung | Papaver somniferum ist eine einjährige, aufrechte, krautige Pflanze mit weißem Milchsaft, die eine Wuchshöhe von 40 bis 140cm erreicht.
Blätter: länglich-eiförmig, buchtig gezähnt, blaugrün, stängelumfassend, Blüte: weiß oder violett, 4 Kronblätter mit dunklen Flecken am Blattgrund, Durchmesser 6 bis 10cm, Blütezeit: Juni bis August Frucht: kugelige Kapsel, lang gestielt, bis 5cm, mit zahlreichen, kleinen, blaugrauen Samen, |
Herkunft | West-Asien |
Vorkommen und Standortfaktoren |
Alte Kultur- und Zierpflanze, auch verwildert auf Schuttplätzen und Ödflächen, auf nährstoff- und basenreichen Böden. |
Standort im Bot. Garten | Heil- und Giftpflanzenabteilung |
Enthaltene Toxine |
Opiumalkaloide Morphin Papaverin
Codein
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Weitere Info zur Toxizität | Alle Pflanzenteile, die Milchsaft enthalten, besonders die Kapseln, sind sehr stark giftig. Die Latenzzeit beträgt 30 Minuten. Der getrocknete Milchsaft wird Opium genannt. |
Symptome bei Vergiftungen | Salivation, Kolik, Obstipation, Diarrhö, Anurie, Dyspnoe, Tachypnoe, später Bradyspnoe, Unruhe, Erregung bis hin zur Tobsucht, Ataxie, Mydriasis, Hypothermie, Krämpfe, komatöse Zustände. Tod durch Atemlähmung möglich. |
Maßnahmen bei Vergiftungen | |
Besonderheiten | Der botanische Name leitet sich aus dem Lateinischen ab: somniferum = Schlaf bringend. Er weist auf die (nicht ungefährliche) Verwendung als Schlafmittel für Kinder in der griechischen Antike hin. |
Bedeutung in Lehre und Forschung | Mohn ist ein charakteristisches Attribut des antiken Schlafgottes Hypnos. Dies erklärt sich aus der narkotisierenden Wirkung des aus den Mohnkapseln gewonnenen Milchsaftes, also des Opiums. Man setzte es als Beruhigungs-, Schlaf- und Betäubungsmittel ein. Aber auch für die Ernährung wurde Mohn verwendet. Man benutzte die Samen als Zutat für verschiedene Gerichte oder presste aus ihnen ein nährstoffhaltiges Öl, das als Ersatz für Olivenöl dienen konnte. Im Kult der Fruchtbarkeitsgöttin Demeter spielen Mohnkapseln deswegen eine große Rolle. Bei Regen neigen sich die muschelförmig geschlossenen Mohnblüten in charakteristischer Weise zur Seite. Der Beobachtung dieses Naturphänomens verdankt sich eine oft nachgeahmte dichterische Wendung bei Homer. Er vergleicht den Kopf eines gefallenen trojanischen Kriegers, des Priamossohnes Gorgythion, mit einer Mohnblume: „Und wie ein Mohn senkte er das Haupt zur Seite, der im Garten wächst, beschwert von Frucht und von der Nässe des Frühlings: So neigte er zur Seite das Haupt, das vom Helm beschwerte“ (Homer, Ilias 8,306-308). Außerdem in der Tiermedizin von Bedeutung. |
Quellennachweis | Rau: Veterinärmedizinischer Führer zu den Giftpflanzen im Botanischen Garten Gießen; Habermehl, Ziemer: Mitteleuropäische Giftpflanzen und ihre Wirkstoffe; Spohn, Aichele: Was blüht denn da?; Roth, Daunderer, Kormann: Giftpflanzen Pflanzengifte |